Die St.-Petri-Pauli-Kirche ist die Taufkirche Martin Luthers.
Bereits im 14. Jh. wird eine Petrikirche erwähnt, das heutige Bauwerk entstand zwischen 1447 und 1513, der Neubau als spätgotische Hallenkirche erfolgte während der Blütezeit des Mansfelder Kupferschieferbergbaus. Und ein Eisleber Chronist schreibt, dass „die Petrikirche die anderen Kirchen an Schönheit der Verhältnisse übertrifft“. Der älteste Teil ist der Kirchturm mit der Turmkapelle, er war bereits 1474 fertiggestellt. In der Kapelle befinden sich ein Altar und ein Taufstein aus dem frühen 16. Jh., die aber nicht zur ursprünglichen Ausstattung gehören. Die noch hoch oben im Turm vorhandene Wohnung wurde bis 1909 vom Türmer bewohnt.
Die Kirche verfügt über eines der größten Stadtkirchengeläute im deutschen Sprachraum. Nach umfangreicher Sanierung des Turmes und des Glockenstuhls konnte unsere Kirchengemeinde in diesem Jahr am 31. August mit einem festlichen Gottesdienst die Wiederinbetriebnahme des Glockengeläutes feiern. Nun erklingen die Glocken „Apollonia“ (1499), „Benigna“ und „Anna“ (1509) wieder täglich zu Ehre Gottes und zur Freude der Menschen in Eisleben. Auch Martin Luther dürfte die Glocken während seiner späteren Besuche in Eisleben gehört haben.
Im Altarraum der Kirche befindet sich ein spätgotischer Annenaltar. Die Heilige Anna als Schutzpatronin der Bergleute hatte auch zu Luthers Zeiten große Bedeutung. Einen schönen Bezug zu unserer Bergbauregion stellt die in der Predella gezeigte Weihnachtsgeschichte her, die Hirten werden als Bergknappen dargestellt.
Die Erinnerung an Luthers Taufe in der St.-Petri-Pauli-Kirche bewahrt der Taufstein im Altarraum.
Er ist in seiner wechselvollen Geschichte mehrmals bearbeitet worden. Eine lateinische Inschrift im Kesselkranz besagt, dass es die Reste des Taufsteins sind, in dem der selige Martin Luther im Jahr 1483 getauft wurde.
Die Schiffe der Kirche überspannen schöne Sternnetzgewölbe, im Mittelschiff ist die Lutherrose, Martin Luthers Familienwappen, zu sehen.
Die Orgel der Kirche baute die Fa. Rühlmann aus Zörbig im Jahr 1929, der Orgelprospekt enthält architektonische Elemente des Expressionismus und des Art Deco.
Wie aber klangen die Orgeln in Eisleben zu Luthers Zeiten? Es gibt die interessante Idee, in Luthers Taufkirche eine „Orgel für Luther“ zu bauen, so wie sie im 16. Jh. für den mitteldeutschen Raum typisch war.
Wir sehen unser wunderschönes Kirchengebäude natürlich nicht nur als kulturelles Erbe, das wir gerne bereit sind zu bewahren. „Die Kirche ist eine Wohnung, da man Gott lieben und hören soll. Nicht Holz oder Steine……es sollen Menschen sein, die Gott erkennen, lieben und preisen.“, sagt Martin Luther. Und so ist die Kirche für uns vor allem Haus Gottes und Versammlungsraum der Gemeinde. Hier finden Gottesdienste statt, Taufen, Trauungen und Trauerfeiern, hier erklingt Kirchenmusik zur Ehre Gottes.
Seit 2003 trägt die Kirche das Signet „Verlässlich geöffnete Kirche“. Im Rahmen unseres Projektes „Offene Kirche“ tun viele ehrenamtliche Helfer Dienst, um den jährlich etwa 15000 Besuchern aus aller Welt nicht nur im Wortsinn die Türen zu öffnen, sondern für Erläuterungen und Gespräche zur Verfügung zu stehen.
Wir verstehen uns auch als lebendiger Ort in der Stadt, als Teil des Lebens im Petriviertel. In unmittelbarer Nähe befinden sich mit Martin Luthers Geburtshaus und der Lutherarmenschule, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören, weitere Gedenkorte der Reformation. Die Ernennungsurkunde der Unesco wurde in unserer Kirche verliehen. Wir öffnen sie für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Tagungen, Empfänge und feiern dort Gemeinde- und Stadtteilfeste.
Für viele unserer Gäste ist es wichtig, Luthers Taufkirche auch heute als authentischen Ort christlichen Lebens zu erfahren, oft werden Andachten und Tauferinnerungsgottesdienste von den Besuchern gefeiert.
Und so freuen wir uns, unsere Kirche in Verbundenheit mit vielen Christen weltweit für das Tauffest an Martin Luthers 525. Tauftag zu öffnen und viele Gäste begrüßen zu können.
Seien Sie herzlich willkommen!
In diesem Taufstein wurde Martin Luther vor 525 Jahren getauft.
Gottesdienst zur Tauferinnerung